Johannes Weilandt (*1991 in Halle (Saale)) ist bildender Künstler und lebt und arbeitet in Berlin und Halle (Saale). Von 2011 bis 2017 studierte er Freie Kunst sowie Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und schloss sein Studium 2017 mit dem Diplom ab.
Studienaufenthalte führten ihn 2015 an die Universität der Künste Berlin sowie 2016 an die Universität der Künste Belgrad mit dem Schwerpunkt Malerei, Zeichnung und Transmedia. 2022 wurde er Meisterschüler für Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weißensee bei Prof. Peter Schubert und Prof. Else Gabriel. 2024 gründete er gemeinsam mit Karoline Stegemann den Verein OST format e.V.
Neben seinen seriellen Zeichnungen arbeitet Weilandt auch im Medium Video, in dem er sich vorrangig mit Spuren, Auswirkungen und Verdrängungsprozessen von politisch-historischen Umbruchserfahrungen im (post-)sozialistischen Raum auseinandersetzt.
Seine Arbeiten wurden in Einzelausstellungen unter anderem im Literaturforum im Brechthaus in Berlin sowie im Gerhart-Hauptmann-Haus auf Hiddensee gezeigt. Darüber hinaus war Weilandt an ausgewählten Gruppenausstellungen in bedeutenden institutionellen und internationalen Kontexten beteiligt, darunter im HayArt Centre in Jerewan, im ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin, im Kunstraum Kreuzberg Bethanien sowie im Kunsthaus Kaufbeuren, ebenso wie in Ausstellungsräumen und Kunstfestivals in Belgrad, Bern, Halle (Saale) und Weimar. 2024 erhielt Weilandt den Förderpreis Junge Kunst.
Seine künstlerische Arbeit wurde durch zahlreiche Förderungen unterstützt, darunter Projekt- und Recherchestipendien der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin, der Stiftung Kunstfonds (NEUSTART KULTUR) und der Kunststiftung Sachsen-Anhalt sowie das internationale Austauschprogramm Artist Contacts des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen.
Werktitel: Letzte Kumpel
Die Videoarbeit Letzte Kumpel (2025) zeichnet ein eindringliches, sinnlich erfahrbares Porträt von vier ehemaligen Bergleuten aus dem Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt. Im Zentrum stehen ihre Stimmen, Erinnerungen und Perspektiven auf eine Arbeitswelt, die über Generationen hinweg identitätsstiftend war und deren abruptes Verschwinden eine tiefgreifende Leerstelle hinterlassen hat. Der Kohleabbau prägte nicht nur die Landschaft, sondern auch die Körper und das soziale Gefüge der Region. Mit seinem Ende entstand eine identitätsgeschichtliche Lücke, die zivilgesellschaftlich kaum aufgefangen werden konnte. Die filmische Arbeit nähert sich dieser Leerstelle über persönliche Erzählungen: Erinnerungen an Kameradschaft, an die physische Intensität der Arbeit unter Tage und an das fortwirkende Echo dieser Erfahrungen treten in einen Dialog mit den Orten der Gegenwart. Heute begegnen sich die Protagonisten in einem Schützenverein – einem der wenigen neu entstandenen sozialen Räume im postindustriellen und postsowjetisch geprägten Alltag.
Diese Verschiebung alltäglicher Praktiken wird zur Metapher für die Suche nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft in Zeiten tiefgreifender Transformation. Das einst als „Rotes Mansfeld“ bekannte Gebiet steht exemplarisch für strukturelle Brüche, die sich auch in aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen spiegeln. Letzte Kumpel versteht sich dabei nicht nur als regionales Zeitdokument, sondern als übertragbare Erzählung über Verlust, Anpassung und das Ringen um neue Formen des Zusammenhalts. In der Gegenüberstellung mit der Situation im Lausitzer Braunkohlerevier eröffnet die Arbeit einen erweiterten Resonanzraum: Zwei Regionen treten in einen gedanklichen Austausch über vergleichbare Umbrüche, ihre Folgen und mögliche Zukunftsperspektiven.
Ergänzend zur Videoarbeit ist ein Gesprächsformat mit den Protagonisten und dem Publikum in Lauchhammer vorgesehen. Dieses dialogische Element knüpft an die filmische Erzählung an und schafft eine unmittelbare Begegnung zwischen unterschiedlichen Erfahrungsräumen. So wird die künstlerische Arbeit selbst zu einem sozialen Raum, in dem Erinnerung, Gegenwart und Zukunft gemeinsam verhandelt werden.
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Ausstellung
/ Biennale
Lauchhammer / Bukowc
07.08.—23.08.2026,
Lauchhammer, Heinrich-Zille-Str. 1 / Wokrejs Górne Błota-Łužyca
Louisa Frauenheim Johannes Weilandt Claudia Pilsl Christian Hasucha Matrosenhunde Anke Hannemann Marie Kublik & Frida Teller Anja Nürnberg Bernhard Schipper
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