Event Cottbus / Chóśebuz, Ausstellung
Section Biennale
Duration 05 Sep — 20 Sep 2026
Location Kunsthalle Lausitz, District Stadt Cottbus
Wild und bunt – von Street Art bis zu textilen Plastiken
Mit ihrer letzten Ausstellungsstation macht die 1. openart Lausitz Biennale 2026 Halt an einem Ort, der selbst Sinnbild von Wandel, Bewegung und Transformation ist: dem historischen Großenhainer Bahnhof in Cottbus. Das repräsentative Bahnhofsgebäude wurde bereits 1877/78 errichtet. Nachdem der neue Cottbuser Staatsbahnhof entstand, verlor der Großenhainer Bahnhof seine ursprüngliche Funktion als Personenbahnhof und wurde ab 1885 zum Verwaltungs- und später zum Güterbahnhof umgewandelt. Bis zum Ende der DDR-Zeit diente das Gebäude Verwaltungszwecken, nach der Wende wurde es saniert und zu einem Bürohaus umgebaut. Später zog dort die Kunsthalle Cottbus ein. Heute wird der geschichtsträchtige Bau erneut zum Ort kultureller Bewegung und öffnet seine Räume für zeitgenössische Kunst.
Gezeigt werden Positionen aus Urban Art, Street Art, Graffiti und Comic in den Medien Skulptur, Malerei, Zeichnung, Fotografie, Videokunst, Installation und Performance.
Im Grauen Vestibül thematisiert das Künstlerkollektiv URBAN ART – Anne Peschken und Marek Pisarsky – die globale Verlagerung der Textilproduktion von Europa nach Asien. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die einst prosperierende Textilindustrie in Cottbus. Dafür errichteten sie einen großen Webstuhl, auf dem bemalte und ausrangierte Leinwände zu neuen Bildflächen verwoben werden. Ein begleitender Monitor dokumentiert den Entstehungsprozess im Atelier. Ergänzend ist im Grünen Saal eine monumentale, gewebte Arbeit von nahezu 3,50 Metern Breite zu sehen, die Näherinnen aus Asien zeigt.
Die Künstlerin Jess Zamora-Turner reagiert mit einer weit in den Raum hineinragenden Patchwork-Installation aus gebrauchten Textilien unmittelbar auf die Architektur des Vestibüls. Ihre Arbeit verweist auf die Vergänglichkeit von Konsum und die verborgenen Geschichten abgelegter Kleidungsstücke. Aus einst funktionalen Stoffen entsteht ein neuer architektonischer Zusammenhang, der Erinnerung und Bedeutung bewahrt.
Die gegenüberliegende Seite des Vestibüls bespielt Caroline Böttcher mit einer multimedialen Installation aus textilen Objekten, Fotografien und erzählerischen Fragmenten zur Geschichte der Lausitzer Textilindustrie. Ihre Arbeit beleuchtet die Ambivalenz zwischen Schönheit, Sinnlichkeit und industrieller Produktion und richtet den Fokus insbesondere auf die Rolle der Frauen in der Textilbranche sowie auf den ostdeutschen Strukturwandel.
Mit der Arbeit „Verwoben“ greift Annette Hecht-Bauer das Thema Umweltverschmutzung und Verlust auf. Das aus Kunststoffabfällen gewebte Kleid verweist auf die Möglichkeiten eines experimentellen Umgangs mit gebrauchten Materialien und Alltagsobjekten.
Im langen Übergangsflur zum Grünen Saal zeigt der aus Cottbus stammende Künstler Felix Matschke eine Serie digital gezeichneter Illustrationen. Heute in der Schweiz lebend, zeigen seine Arbeiten Architekturen der Lausitz und anderer Orte im Wandel, vor denen schemenhafte Figuren erscheinen. Durch Rot-Grün-Überlagerungen und wechselnde LED-Lichtinszenierungen entstehen bewegte Wahrnehmungsräume zwischen Erinnerung und Auflösung.
Valentina Tröndle präsentiert entlang des Weges durch das Gebäude ihre fotografische Lausitz-Serie „Sediment“. Ihre Arbeiten nähern sich der Lausitz als poetischem Zwischenraum, einer Landschaft im Wandel zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Fotografien erzählen leise Geschichten von Orten, Menschen und Atmosphären und machen die Region als lebendigen, atmenden Raum erfahrbar.
Mit Humor und zeichnerischer Präzision thematisiert Lioba von den Driesch in ihrem Trickfilm „Last Supper“ universelle menschliche Konflikte wie Gemeinschaft, Streit, Verrat und Zerwürfnis. Die mit Kreide auf Schultafeln gezeichneten Figuren bewegen sich zwischen Comic und Animation.
Im anschließenden Raum sind die „Sorbischen Mangas“ der Künstlerin Siggiko (Emily Barthold) zu sehen. Sie verbindet sorbische Sagen, Traditionen und niedersorbische Kultur mit der Bildsprache des japanischen Manga und schafft damit ein zeitgenössisches visuelles Ausdrucksformat einer jungen Generation sorbischer Identität.
Der Grüne Saal widmet sich den gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart. Katharina Arndt hinterfragt in ihrem vier Meter langen, an Street Art angelehnten Gemälde „How to Dress for Jogging“ humorvoll die Oberflächlichkeiten moderner Konsum- und Lifestylekultur.
Dem gegenüber steht die Skulptur „Tenement Rising“ der amerikanischen Künstlerin Tracey Snelling. Mit integrierten Videosequenzen über beengte Wohnverhältnisse thematisiert sie steigende Wohnkosten und soziale Verdrängung. Die Arbeit wirft angesichts globaler Entwicklungen die drängende Frage auf: Wohin gehen wir?
Zwischen diesen Positionen befindet sich Martin Böttgers Skulptur „Dredder“. Die grellfarbigen Metallfragmente erinnern an futuristische Maschinenwesen und bilden ein verbindendes Element zwischen Street Art, Urbanität und gesellschaftlicher Überzeichnung.
Mit seinem Gemälde „Social Silence“ zeigt Casey McKee eine surreale Strandszene vor einer Ölplattform. Humorvoll und zugleich kritisch reflektiert die Arbeit gesellschaftliche Machtstrukturen, Umweltfragen und die Folgen menschlicher Eingriffe in Landschaften – auch mit Blick auf die Transformation ehemaliger Braunkohleregionen in der Lausitz.
Im Zentrum des Grünen Saales steht schließlich Miriam Lenks monumentale Skulptur „Fragile Wucht“. Die barock anmutende Figur eines weiblichen Archetyps bewegt sich zwischen Stärke und Verletzlichkeit, Ordnung und Chaos, Zerfall und Neuanfang. Die Künstlerin formuliert damit ein kraftvolles Bild weiblicher Selbstermächtigung und gesellschaftlicher Transformation.
Die Abschlussausstellung der openart Lausitz Biennale 2026 verbindet Geschichte und Gegenwart, regionale Erinnerung und globale Entwicklungen. Der historische Großenhainer Bahnhof wird dabei selbst zum Resonanzraum einer Kunst, die Räume verändert und gesellschaftliche Prozesse sichtbar macht.
Im Außenbereich des ehemaligen Großenhainer Bahnhofs findet während der Ausstellungszeit auf den Bahnsteigen und Gleisanlagen eine Graffiti Session mit lokalen und internationalen Graffiti-Künstlerinnen und -künstlern statt.
Begleitend dazu werden Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten, die einen direkten Einblick in Techniken, Geschichte und Ausdrucksformen der Graffiti-Kunst vermitteln. Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ist bereits seit mehreren Jahren ein etablierter Ort für Graffiti und urbane Kunstaktionen. Ausgehend von der langjährigen, erfolgreichen Graffiti-Kultur auf dem Gelände greift die openart Lausitz Biennale 2026 das Thema Urban Art, Street Art und Graffiti gezielt in die Ausstellung innerhalb des repräsentativen Bahnhofsgebäudes – der heutigen Kunsthalle Cottbus – eingebunden. Damit verbindet die Biennale urbane Gegenwartskultur mit der historischen Architektur des Ortes und schafft einen lebendigen Austausch zwischen Kunst, Stadtgeschichte und öffentlichem Raum.
Artists
Anne Peschken / Marek Pisarsky (Urban Art)
Anne Peschken (1966 in Montreal/CA) und Marek Pisarsky ( 1956 in Ruda Śląska/PL) arbeiten seit 1988 als Künstlerpaar unter dem Namen Urban Art zusammen.
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Annette Hecht-Bauer (*1963 in Reutlingen) ist freischaffende Künstlerin, Designerin und Dozentin mit Schwerpunkt auf Textil, Objekt und Druckgrafik. Sie lebt und arbeitet in Baden-Württemberg.
more about Annette Hecht-BauerCaroline Böttcher
Caroline Böttcher (*1985 in Berlin ist Künstlerin und Autorin und arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie, ortsbezogener Audiokunst und erinnerungskultureller Forschung. Sie studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst …
more about Caroline BöttcherCasey McKee
Casey McKee (*1976 in Phoenix, Arizona/USA) ist ein in Deutschland lebender US-amerikanischer Maler.
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Jess Zamora-Turner (*1984 in Viña del Mar/CL) ist bildende Künstlerin und lebt und arbeitet seit mehreren Jahren zwischen Berlin und einem kleinen Dorf auf der polnischen Seite der deutsch-polnischen Grenze.
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Katharina Arndt (*1981 in Oschatz) lebt und arbeitet in Berlin und Barcelona. Sie studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und schloss ihr Studium mit dem Master of Fine Arts bei John Armleder ab.
more about Katharina ArndtLioba von den Driesch
Lioba von den Driesch (*1957 in Mainz) arbeitet seit Mitte der 1990er-Jahre im Bereich Animation, Illustration, digitale Medien und Vermittlung. Nach dem Ersten Staatsexamen in Kunsterziehung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und dem …
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Miriam Lenk ( (*1975 in Konstanz/BRD) ist eine deutsche Bildhauerin. Nach Abitur in der Klosterschule und einer Ausbildung als Goldschmiedin studierte sie Literatur und Medienwissenschaften, später Kunst in Dresden mit einem Stipendium in …
more about Miriam LenkSiggiko
Emily Barthold alias Siggiko (* geboren in Washington, D.C./USA) ist Comic-Künstlerin, Librettistin und Literaturwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Internationale Beziehungen an der George Washington University und absolvierte …
more about SiggikoValentina Tröndle
Valentina Troendle (*1991 in Augsburg) lebt und arbeitet in Berlin und in der Lausitz. Sie absolvierte einen Bachelor of Arts in Kulturarbeit und einen Master of Arts in Urbaner Zukunft/Transformationsmanagement an der Fachhochschule Potsdam, …
more about Valentina TröndleTracey Snelling
Tracey Snelling (*1970, Oakland, Kalifornien) ist eine bildende Künstlerin, deren Arbeit untersucht, wie Architektur die Art und Weise prägt, wie Menschen leben. Seit 2016 lebt und arbeitet sie in Berlin. In den Medien Skulptur, Installation, Video, …
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Felix Matschke (*1989 in Cottbus) ist ausgebildeter Architekt und seit 2024 freischaffender Illustrator mit Sitz in Zürich. Nach einem Architekturstudium an der BTU Cottbus und der Technischen Universität München war er mehrere Jahre in …
more about Felix MatschkeEndstation Jam
Zur Endstation Jam entsteht rund um den nördlichen Bahnhofsausgang eine großflächige Open-Air-Galerie. Zahlreiche Wände des Bahnareals dürfen im Rahmen des Festivals künstlerisch gestaltet werden; insgesamt stehen dafür rund 1.600 Quadratmeter …
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