Ausstellung

/ 01 Aug — 16 Aug 2026

Doberlug-Kirchhain / Dobrjoług-Góstkow Haus am Markt 20

© Photographer Friederike Kalz

Event Doberlug-Kirchhain / Dobrjoług-Góstkow, Ausstellung

Section Biennale

Duration 01 Aug — 16 Aug 2026

Location Haus am Markt 20, District Elbe-Elster

Address 03253 Doberlug-Kirchhain/Dobrjoług-Góstkow, Am Markt 20

Das Stadthaus am Markt 20 ist nicht nur architektonisch bemerkenswert, sondern auch ein Spiegel der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Vom bürgerlichen Ursprung über die Nutzung im Nationalsozialismus als „braunes Haus“ bis hin zur DDR-Zeit als „rotes Haus“ und schließlich zur nüchternen Verwaltungsfunktion nach der Wende, durchlief das Gebäude vielfältige, teils widersprüchliche Transformationen.

Der anschließende Leerstand und seine Entwicklung zu einem „Transitraum“ machen es zu einem besonders geeigneten Ausstellungsort für die 1. openart Lausitz Biennale 2026. In seiner vielschichtigen Geschichte wird das Haus zu einem exemplarischen Ort für das Thema „Orte der Transformation“. Die künstlerischen Interventionen greifen sowohl die historischen Schichtungen des Gebäudes als auch die komplexen Entwicklungen der Lausitz auf. Durch die Einbeziehung des Hofgartens in die zwei bespielten Etagen, eröffnen sich zusätzliche narrative Ebenen. In den Innenräumen setzen sich die künstlerischen Positionen mit unterschiedlichen Zeitschichten und politischen Systemen auseinander. Das später angebaute Treppenhaus fungiert dabei als Übergang zwischen Innen- und Außenraum und wird damit symbolisch zum „Transitraum“. Im Hofgarten wird der Gegensatz von öffentlichem und privatem Raum durch eine begehbare, temporäre Architektur emotional erfahrbar. Als zentrale künstlerische Intervention platziert, lädt sie die Besuchenden dazu ein, sie zu durchschreiten und sich an den partizipativen künstlerischen Arbeiten aktiv mit zu beteiligen.

Fotografie von Swen Bernitz: „Dorfbilder“

Die Schwarzweiß-Foto-Serie „Dorfbilder“ untersucht die Baukultur und sozialen Strukturen ländlicher Räume in Brandenburg. Häuser und Siedlungen werden zu stillen Trägern von Geschichte, in denen sich Alltag, Wandel und regionale Identität einschreiben.

Zwischen Backstein, Holz und improvisierten Lösungen entsteht eine visuelle Archäologie des Alltäglichen. Architektur erscheint nicht als Monument, sondern als Ausdruck sozialer und ökonomischer Veränderungen – von der DDR bis in die Gegenwart.

Die Serie macht Transformation konkret sichtbar und zeigt, wie sich Gemeinschaft und Identität in gebauten Räumen fortschreiben.

Ein Bewegt- & ein Digital Foto von Daniela Butsch zum Thema: „Transit“

Die Abraumförderbrücke F60 in Lichterfeld ist ein Monument industrieller Dimensionen. Einst Herzstück des Braunkohleabbaus, ist sie heute ein stillgelegter Koloss, verwandelt vom Produktionsort in einen Transitraum für Besucherinnen und Besucher. Die Künstlerin Daniela Butsch widmet sich in ihren Arbeiten genau diesen Übergängen. Ihr Bewegtbild der F60 sowie die digitale Fotografie der Straße von Hormuz kreisen um das Motiv des Transits als räumliche Erfahrung und als ökonomische Struktur. Beide Orte erscheinen dabei als transformierte Räume des Durchgangs und der Wahrnehmung. Durch digitale Verfremdung und opulente Farbgebung löst Butsch die Eindeutigkeit der Motive auf. Die F60 wird zum Zwischenraum von Vergangenheit und Gegenwart, die Straße von Hormuz zu einem abstrahierten Bild globaler Machtverhältnisse. So wird Transit als ambivalentes Phänomen sichtbar, das verbindend und kontrollierend zugleich ist. Butsch macht in ihren Arbeiten sichtbar, wie Transiträume zu Machtachsen oder Leerstellen werden können und lädt dazu ein, den Übergang selbst als einen bedeutungsvollen Zustand zu begreifen.

Süheyla Asci „Lausitzer Seenlandschaft im Winter“

Das Triptychon zeigt drei winterliche Ansichten der Lausitzer Seenlandschaft in reduzierter, ungegenständlicher und atmosphärischer Malweise. Die Bildfolge fängt die stille Weite der ehemaligen Tagebaulandschaft ein. Im gedämpften Winterlicht lassen vereinzelte rötliche Terrakotta-Tupfer zwischen Schnee, Wasser und Uferzonen bebaute Spuren erahnen.

In ihrer Malerei verdichtet die Künstlerin Naturbeobachtung und Stimmung zu einer ruhigen, beinahe meditativen Serie. Die Transformation der Lausitz wird dabei subtil sichtbar – vom industriell geprägten Kohleabbau hin zu einer offenen, fragilen Wasser- und Sandlandschaft im winterlichen Zustand.

Karsten Kelsch „Irgendwo im Nirgendwo“

Wo einst das Dorf Schöpsdorf in der Oberlausitz lag, erstreckt sich heute eine vom Braunkohletagebau geprägte Leere. Die Serie versammelt 12 + 1 Ansichten eines verschwundenen Ortes und entwirft eine imaginäre Geografie der Erinnerung.

Kelsch thematisiert das Verschwinden von Landschaften und Lebensräumen – und fragt, was bleibt, wenn ein Ort physisch ausgelöscht ist. Malerei und Objektkunst verdichten sich zu stillen Bildern von Verlust, Erinnerung und Transformation.

Astrid Weichelt – „Schnitt B.“

Gefundene Bauzeichnungen aus einem verlassenen DDR-Industriebau bilden den Ausgangspunkt der Arbeit. Sie verweisen auf nie realisierte architektonische Projekte und deren gescheiterte Utopien.

Weichelt transformiert das historische Material, indem sie zerschnittene Zeichnungen in Gitterkonstruktionen neu anordnet und so imaginäre Räume entstehen lässt. Die Arbeit fragt, was von vergangenen Entwürfen bleibt – und ob aus ihnen neue, zukunftsweisende Ideen für Architektur und Lebensformen hervorgehen können.

Maria Arendt – „Out But Not Arrived“ (Lausitz)

In gestickten Architekturen und Zeichnungen auf Leinwand setzt sich Arendt mit Bewegung und Zeit auseinander. Geboren in Moskau, lebend in Israel und Deutschland, befindet sich Maria Arendt seit vielen Jahren auf der Durchreise. Ihre textilen Arbeiten kann sie leicht im Gepäck mit sich führen. Sie fungieren als mobile Architekturen, in denen sich Raum, Erinnerung und Wandel überlagern. Ihre ortsspezifischen Werke thematisieren Leerstand und Transformation sowohl in der Lausitz, als auch überall anderswo. Ihre Stickereien zeichnen Umrisse verlorener Orte nach und verbinden damit ihre künstlerische Praxis mit kollektiver Wahrnehmung der Betrachtenden ihrer Arbeiten. Arendt´s Arbeiten dokumentieren Orte im Übergang – im Transit - und interpretieren sie zugleich immer wieder neu.

Beate Tischer „Schattenräume“

Geboren in der Oberlausitz untersucht Beate Tischer in ihrer Werkreihe imaginierte Schatten ehemaliger Industrieanlagen, als Spuren von Wandel und eigener Erinnerung.

In atmosphärischen Ölbildern entstehen zwischen Konstruktion und Auflösung Bildräume, die weniger dokumentieren als sensibilisieren: für das, was von Orten und Architekturen bleibt und das, was sich im Übergang neu formt.

Katrin Trost

Katrin Trost ist Zeichnerin und Installationskünstlerin. Ihre Arbeiten untersuchen Wahrnehmung, Bewusstseinszustände und die Übergänge zwischen materiellen, immateriellen und energetischen Formen. Ziel ihrer Arbeiten ist es, gewohnte Denk- und Wahrnehmungsmuster zu verschieben und neue Sichtweisen zu ermöglichen. Im Rahmen der openart Lausitz Biennale entwickelt sie im Treppenhaus - dem Transitraum zwischen historischem Hauskörper und Garten - raumbezogene Heißkleber-Installationen. Feine, netzartige Strukturen aus geschmolzenem Kleber reagieren auf die Architektur und Geschichte dieses speziellen Ortes. Ihre gespinstartigen Zeichnungen im Raum greifen nicht nur die bauliche Situation des Treppenhauses auf, sondern verweisen zugleich auf seine historischen Nutzungen als einen politisch und gesellschaftlich geprägten Ort.

Meggie Schneider „TAFEL KIOSK PFADE“

„TAFEL KIOSK PFADE“ ist eine partizipative, prozesshafte Intervention im Garten Am Markt 20. Im Zentrum stehen zwei verbundene Orte: eine Tafel und ein Kiosk. Die Tafel – ein Tisch mit Tafelfläche – dient als „offener Tisch“ für Gespräche, gemeinsames Essen und ein tägliches Manifest des Austauschs. Der Kiosk ist als begehbare, überdachte Skulptur gestaltet, deren Grundriss den Umriss der Stadt Doberlug-Kirchhain aufnimmt. Er verbindet Innen- und Außenraum und bietet Regale für Bücher, Objekte und Tauschgegenstände sowie eine Koch- und Wasserstation. Das Projekt versteht sich als sozialer Raum des Teilens: für gemeinsames Kochen, Lesen, Schreiben und Handeln.

Artists

Astrid Weichelt

Astrid Weichelt (*1953 in Freiberg/DDR) ist bildende Künstlerin und lebt und arbeitet seit 1984 in Berlin. Seit 2014 ist sie zudem als freie Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin im Bereich Bildung und Vermittlung tätig.

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tohu & bohu

Tohu & Bohu  wurde 2015 in Berlin von Daria Wartalska und Prisca Wüst gegründet und arbeitet seit 2022 in erweiterter Konstellation mit Reiner Maria Matysik. Ihre gemeinsamen Projekte verbinden künstlerische und gestalterische Ansätze mit …

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Meggie Schneider

Meggie Schneider (*1963, Köln) ist eine Berliner Künstlerin und Filmemacherin. Sie studierte u. a. bei Harun Farocki und Heinz Emigholz an der UdK Berlin.

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Beate Tischer

Beate Tischer (*1960 in Bischofswerda) ist bildende Künstlerin und lebt und arbeitet seit 1997 in Berlin.

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Daniela Butsch

Daniela Butsch (*1957 in Mannheim) ist Intermediakünstlerin und Kuratorin.

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Maria Arendt

Maria Arendt (*1968 in Moskau/UdSSR) arbeitet als Künstlerin in den Bereichen Textil, Grafik, Illustration und Collage. Nach ihrer Ausbildung am Moskauer Kunst- und Industriekolleg liegt der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Praxis heute auf der …

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Süheyla Asci

Süheyla Asci (*1961 in Kars/TR) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Malerei an der Hochschule der Künste Bremen bei Prof. Greune und an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Hirsig und Prof. Klaus Fußmann fort, wo sie 1996 …

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Philipp Eichhorn

Philipp Eichhorn (*1983 in Berlin) ist bildender Künstler und lebt und arbeitet in Halle (Saale). Er studierte Malerei und Textile Künste an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Ulrich Reimkasten und schloss sein Studium mit dem …

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Katrin Trost

Katrin Trost ist bildende Künstlerin und lebt und arbeitet in Offenbach und Frankfurt am Main. Von 1997 bis 2005 studierte sie Visuelle Kommunikation im Bereich Freie Gestaltung mit den Schwerpunkten Bildhauerei und Malerei an der Hochschule für …

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Swen Bernitz

Swen Bernitz (*1970 Ost-Berlin/DDR) ist Fotograf und lebt und arbeitet im Brandenburgischen Zossen. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre war er zunächst als Banker und Unternehmensberater tätig. Als Autodidakt wandte er sich ab 2008 der …

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Karsten Kelsch

Karsten Kelsch (geb. 1962 in Hoyerswerde, Deutschland) lebt und arbeitet im Panketal. Er studierte Malerei bei Daniel Fischer an der Academy of Fine Arts in Bratislava.

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