Daniela Butsch (*1957 in Mannheim) ist Intermediakünstlerin und Kuratorin.
Sie studierte Philosophie bei Margherita von Brentano und Film bei Michael Klier an der Freien Universität Berlin und bei Jutta Brückner an der Hochschule der Künste Berlin, ergänzt durch ein Aufbaustudium Dokumentarfilm an der University of London. 1997 wurde sie auf die Professur für Audiovisuelle Produktion im Medienverbund an die HTWK, Leipzig berufen. Ihre Themen sind Apeiron (ἄπειρον) und Peras (πέρας), Trauma und Heilung.
Werktitel: Transformation
Die Niederlausitz erscheint in Butschs Bildern als Medium des Übergangs. Hier überlagern sich geologische Zeiträume und industrielle Gegenwart: Eine eiszeitlich geprägte Tiefebene trägt die Spuren früherer Abläufe – und wird im Hier und Jetzt zur Bühne des Umbaus. Der Tagebau macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt: Materialfolgen, Schichtungen, Übergänge.
Im Zentrum dieses Eingriffs steht die Abraumförderbrücke F60. Als Förderbrücke, vom
ehemaligen VEB TAKRAF Lauchhammer gebaut, wird sie im Lausitzer Braunkohletagebau
eingesetzt, um den Abraum zu transportieren, der über dem Kohleflöz liegt. Die Bezeichnung F60 verweist auf die ursprünglich maximale Abtragsmächtigkeit von 60 Metern. Mit ihrer Länge von 502 Metern gilt sie zugleich als „liegender Eiffelturm“: eine bewegliche technische Arbeitsmaschine, die bis zu 80 Meter hoch und etwa 240 Meter breit werden kann. Im betriebsfähigen Zustand wiegt die Abraumförderbrücke – ohne Bagger – rund 13.500 Tonnen.
Die F60 ist damit mehr als ein Gerät. Sie ist eine sichtbare Choreografie industrieller
Maßlosigkeit: Zwischen Boden und Tiefe, zwischen Förderleistung und Veränderung des Raums. Heute sind im Lausitzer Braunkohlerevier noch drei F60 in Betrieb: in den Tagebauen Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde. Gleichzeitig markiert der inzwischen einsetzende Übergang auch das Ende: Anfang 2024 wurde die im Tagebau Jänschwalde eingesetzte F60 nach rund 47 Jahren Betriebszeit außer Betrieb genommen; am 5. Februar 2026 wurde die Brücke schließlich gesprengt. Als weitere Brücke existiert zudem die fünfte und letzte gebaute F60: Sie ist für Besucher:innen begehbar und steht im Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60 bei Lichterfeld-Schacksdorf.
Transformation meint hier nicht nur das Umschichten von Material, sondern beschreibt auch Abfolgen von Aggregatzuständen. Aus der Braunkohle wurde und wird Energie. Inzwischen prägen vor allem Windparks, aber auch Solare Flächen zunehmend das Landschaftsbild, doch in ungünstigen Wetterlagen bleibt die Lücke zwischen Erzeugung und Netzbedarf. Bis in die Gegenwart wird diese Grundlast vor allem in der Schwarzen Pumpe in Spremberg durch Braunkohleverstromung gesichert. Batteriefelder, die diese Rolle künftig übernehmen sollen, sind im Aufbau. Der Übergang ist damit sichtbar—und zugleich unvollständig.
Parallel dazu vollzieht sich die nächste Stufe der Umformung: von Abbau zu Nachnutzung.
Schon in den 1950er Jahren formulierte der Landschaftsarchitekt Dr. h.c. Otto Rindt die Vision, erschöpfte Tagebaulöcher zu fluten. Heute ist daraus Realität geworden: Die Flutung schafft eine bergbaugeprägte Seenlandschaft, inzwischen als größte künstliche Seenlandschaft Europas bekannt. Mischwälder wurden und werden gepflanzt, Radwege ordnen Bewegung neu; Es entstehen neue Lebensräume.
Daniela Butschs künstlerische Arbeit versteht Transformation daher als offene Passage. Die Bilder zeigen keinen abgeschlossenen Wandel, sondern eine Gleichzeitigkeit von Brüchen und Fortsetzungen: Tiefe und Oberfläche, Energie und Landschaft, Stilllegung und neue Nutzung.
Die Aufnahmen entstanden vornehmlich auf dem Partwitzer, sowie am Geierswalder See und im noch aktiven Tagebau Welzow-Süd—dort, wo Gegenwart nicht nur „stattfindet“, sondern bereits als Baustelle der Zukunft sichtbar ist.
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Ausstellungseröffnung
/ Biennale
Doberlug-Kirchhain / Dobrjoług-Góstkow - Vernissage
01.08.2026,
Haus am Markt 20 / Wokrejs Łobjo-Halšter
Astrid Weichelt tohu & bohu Meggie Schneider Beate Tischer Daniela Butsch Maria Arendt Süheyla Asci Philipp Eichhorn Katrin Trost Swen Bernitz Karsten Kelsch
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/ Biennale
Doberlug-Kirchhain / Dobrjoług-Góstkow
01.08.—16.08.2026,
Haus am Markt 20 / Wokrejs Łobjo-Halšter
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