Am 6. Juni 2025 lud der Atelierhof Werenzhain e.V. in Kooperation mit „Menschen machen Kultur“, dem Kulturprogramm der Bürgerregion Lausitz, in die Kunsthalle Lausitz in Cottbus ein. Ziel war ein gemeinsamer Austausch zwischen Lausitzer Künstler:innen, Kunst- und Kulturaktiven sowie Vertreter:innen kommunaler Einrichtungen, um im Rahmen der 1. openart Lausitz Biennale Formate zur aktiven Mitwirkung zu entwickeln. Damit sollte die Vision gemeinschaftlichen Wirkens – insbesondere in der ländlich geprägten Region – gestärkt werden.
Zum Auftakt stellte die Künstlerische Leiterin Michaela van den Driesch das Konzept und die Hintergründe der Biennale vor.
In anschließenden Salon-Gesprächen diskutierten die Teilnehmenden zu den folgenden Themen:
Kulturelle Räume und Infrastruktur
• Welche bestehenden Projekträume im Kontext zum Motto „Kunst formt Räume – art shapes spaces!“ bestehen in der Region bereits?
• Welche leerstehenden Räume (lost places) können zusätzlich künstlerisch genutzt werden?
Künstlerische Konzeption zur Beteiligung von Besucher:innen
• Welche Beteiligungsformate wurden schon entwickelt und können eingebracht und umgesetzt werden?
• Wie können Menschen vor Ort gezielt angesprochen und aktiv eingebunden werden?
Stärkung regionaler Kunstschaffender
• Welchen Anspruch haben wir, welche Werte wollen wir vermitteln?
• Wie kann das gesellschaftliche Verständnis für Kunst und Kultur in der Lausitz gestärkt werden?
Die Ergebnisse der Gespräche wurden im Anschluss vorgestellt und werden nachfolgend zusammengefasst:
1. Kulturelle Räume und Infrastruktur
Die Veranstaltung zeigte deutlich: Es gibt viele kulturelle Räume, doch häufig fehlen aktive Nutzer:innen. Leerstände bieten Potenzial, insbesondere wenn Städte kreative Zwischennutzungen unterstützen. Wichtig sind gute Erreichbarkeit – etwa durch neue Busverbindungen im ländlichen Raum – sowie offene und einladende Zugänge.
Vernetzung und Sichtbarkeit kultureller Angebote sind zentrale Aufgaben. Gemeinsame Kalender, digitale Tools zur Raumvermittlung und Veranstaltungsformate wie kulturbezogene Bustouren können Barrieren abbauen.
Fragen der Organisation, etwa Zuständigkeiten und Nutzungsrechte, erfordern klare Regeln und Ansprechpartner:innen. Ein Code of Conduct hilft, Vertrauen und Verlässlichkeit zu schaffen. Auch kulturelle Bildung und organisatorische Kompetenzen müssen gestärkt werden.
Ressourcenmangel bleibt eine Herausforderung. Gemeinsame Infrastruktur, geteilte Fachkompetenzen und Pilotprojekte können praktikable Lösungen aufzeigen. Visionäre Ideen wie die Wiederbelebung von lost places erfordern Mut, Offenheit und die Bereitschaft, Neues zuzulassen.
Transformation ist das Ziel: Nachhaltige Strukturen, ehrenamtliches Engagement, langfristige Kooperationen, wiederkehrende Formate und Weiternutzung gestalteter Orte sichern Wirkung über die Biennale hinaus.
Offene Begegnungsräume, in denen globale und regionale Themen verhandelt und aktive Mitgestaltung ermöglicht werden, stiften dauerhafte Relevanz und Resonanz.
2. Künstlerische Konzeption zur Beteiligung von Besucher:innen
Kunst wird in der Region oft als elitär wahrgenommen. Um dies zu ändern, gilt es, Hemmschwellen abzubauen und Kunst den Menschen näherzubringen. Sie soll offen und divers sein, zugleich lokal verankert und auf die Lebensrealitäten der Menschen zugeschnitten. Biographien und Erfahrungen vor Ort fließen in künstlerische Prozesse ein.
Im Marketing sind regionale Multiplikator:innen, eine zugängliche Sprache und kreative Kommunikationsformen zentral. Kooperationen mit Schulen, Künstler:innen, Familien und lokalen Akteur:innen stärken Nähe und Reichweite.
Menschen beteiligen sich eher, wenn sie sich willkommen, sicher und angesprochen fühlen. Dazu sind regelmäßig wiederkehrende Angebote, klare Ansprechpartner:innen bei Konflikten und inklusive Räume notwendig. Veranstaltungen in vertrauten lokalen Kontexten sowie die Einbindung regionaler Strukturen erleichtern den Zugang.
Ein gemeinsamer Wertekanon schafft Begegnungen auf Augenhöhe und fördert ein respektvolles Miteinander. Dazu gehören Dialogbereitschaft, gegenseitiges Wertschätzen und Vertrauen sowie Offenheit und Empathie für persönliche Geschichten.
3. Stärkung regionaler Kunstschaffender
Die Unterstützung regionaler Künstler:innen gründet auf zentralen Wertvorstellungen wie gegenseitigem Respekt, gestalterischer Freiheit, Solidarität und Toleranz. Ein vielseitiges Kunstverständnis, vermittelt durch kulturelle Bildung, eröffnet Freiräume für individuelle Entfaltung und gesellschaftliche Weiterentwicklung.
Kunst macht regionale Identitäten sichtbar und stärkt die kulturelle Vielfalt der Lausitz. Gleichzeitig ist es essenziell, die überregionale Wahrnehmung lokaler Künstler:innen zu stärken.
Nicht zuletzt gilt es, die Notwendigkeit von Kunst deutlicher hervorzuheben, indem ihre vielfältigen Funktionen sichtbar gemacht werden: Kunst inspiriert, vermittelt Werte, schafft Freude und regt zur Reflexion an. Ihr Nutzen liegt nicht nur in der Ästhetik, sondern auch in ihrer Fähigkeit, Perspektiven zu verändern und gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten.