Jamlitz / Jemjelnica
Jemjelnica

Bahnhof Jamlitz - Foto: Friederike Kalz

© Photographer Friederike Kalz

Adresse 5868 Jamlitz/Jemjelnica

Infos über den Veranstaltungsort

Von der Künstleridylle über die Abgründe des 20. Jahrhunderts bis hin zur Land Art der Zukunft ist Jamlitz ein Ort der Historische Kontraste auf kleinstem Raum vereint.

Jamlitz wird zum Ausstellungsraum: Kunst trifft Geschichte, Leerstellen und Zukunftsfragen

Im Rahmen der openart Lausitz Biennale 2026 wird der Ort Jamlitz im Landkreis Dahme-Spreewald selbst zum zentralen Exponat. Dabei steht Jamlitz nicht nur beispielhaft für den vielzitierten „Strukturwandel“, sondern stellvertretend für zahlreiche Orte in der Niederlausitz, an denen sich historische, politische und gesellschaftliche Brüche überlagern. Hier verdichten sich verschiedene Zeitschichten: die frühe Industrialisierung und die Ansiedlung einer Künstlerkolonie in naturnaher Umgebung, die NS-Zeit mit der Errichtung eines Außenlagers des KZ Sachsenhausen, dessen Nutzung bis in die 1950er Jahre durch die sowjetische Militäradministration fortgeführt wurde, sowie die tiefgreifenden Veränderungen nach 1989 durch Deindustrialisierung und infrastrukturellen Rückbau. Diese Geschichte ist nicht abgeschlossen. Sie ist im Ort weiterhin präsent: in leerstehenden Gebäuden, überformten Flächen und in dem, was fehlt. Der Rückgang des Wassers infolge des Braunkohleabbaus ließ einstige Seen austrocknen, während soziale Infrastruktur und alltägliche Begegnungsorte weitgehend verschwunden sind. Ein zentraler Schauplatz der Biennale ist die sogenannte „Alte BHG“. Die ehemalige Lagerhalle wird zum vielschichtigen Erinnerungs- und Bedeutungsraum: einst logistischer Knotenpunkt, Teil nationalsozialistischer Infrastruktur, später in der DDR nachgenutzt, heute Leerstand und nun temporärer Ort für zeitgenössische Kunst. Sichtbare Spuren wie in die Dachkonstruktion eingebrannte Hakenkreuze verleihen den künstlerischen Arbeiten eine besondere Dringlichkeit und Sensibilität.

Der kuratorische Ansatz der Ausstellung in Jamlitz widmet sich den Themen „Leerstellen, Überwachsungen, Vernachlässigung und Möglichkeiten“. Internationale und regionale Künstler:innen entwickeln ortsspezifische Installationen und Interventionen, die sich mit den sozialen, historischen und räumlichen Gegebenheiten auseinandersetzen und neue Perspektiven auf den Ort eröffnen. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Öffnung des künstlerischen Arbeitsprozesses: Während der Aufbauphase haben Besucherinnen die Möglichkeit, Einblicke in die Entstehung der Werke zu erhalten. Begleitende Tischgespräche laden zum Austausch mit den Künstlerinnen ein und fördern den direkten Dialog. So wird bewusst vermieden, dass Kunst dem Ort lediglich übergestülpt wird. Vielmehr entsteht diese hier im Austausch mit ihm und seinen Geschichten. Die Biennale in Jamlitz versteht sich damit nicht nur als Ausstellung, sondern als Einladung, sich mit Vergangenheit, Gegenwart und möglichen Zukünften eines Ortes auseinanderzusetzen, der exemplarisch für viele Regionen im Wandel steht.

Die Lager Jamlitz
Kunstverein Brandung e.V.
Künstlerkolonie Jamlitz