Die Lausitz war Jahrzehnte lang das Energiezentrum Deutschlands. Braunkohle prägte Landschaft, Wirtschaft und Identität der Region – von den Tagebauen rund um Cottbus bis in die Dörfer des Elbe-Elster-Landes. Doch seit der Wiedervereinigung 1990 befindet sich die Region in einem tiefgreifenden Umbruch, der bis heute anhält.
Ein Wandel in zwei Etappen
von Maysun Kellow
Der erste Strukturbruch kam abrupt. Mit dem Ende der DDR verloren Zehntausende Menschen ihre Arbeitsplätze in Bergbau und Industrie. Fabriken, Kraftwerke und ganze Infrastrukturen wurden stillgelegt – zurück blieben Leerstände, Abwanderung und das Gefühl, von der Entwicklung abgehängt zu werden.
Heute steht die Lausitz vor einer zweiten Zäsur: dem Kohleausstieg, der bis spätestens 2038 vollzogen sein soll. Auch wenn die Braunkohleverstromung noch läuft, ist die Richtung klar. Für viele Menschen in der Region bedeutet das erneut: Veränderung, Unsicherheit und die Frage nach dem Danach.
Chancen im Umbruch
Der Wandel birgt jedoch große Potenziale. Das Lausitzer Seenland – entstanden ausehemaligen Tagebauen – hat sich zu einem gefragten Freizeit- und Tourismusziel entwickelt. Neue Industrieansiedlungen, Forschungseinrichtungen und der Ausbau erneuerbarer Energien schaffen schrittweise Alternativen. Brandenburg und Sachsen arbeiten gemeinsam an einer länderübergreifenden Wirtschaftsstrategie, Fördermittel aus dem Bundesstrukturstärkungsgesetz fließen in Infrastruktur, Bildung und Innovation.
Die Herausforderung bleibt groß: Die Wertschöpfungsketten des Kohlesektors brechen weg, bevor Neues vollständig gewachsen ist. Und: Viele Menschen fühlen sich im Prozess nicht ausreichend gehört.
Was Kunst und Kultur leisten können
Eine lebendige Kulturlandschaft ist die treibende Kraft, die Attraktivität und Sichtbarkeit einer Region zu stärken. Sie schafft Identifikation, festigen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zivilgesellschaft. Dies sind wesentliche Faktoren, Wegzug entgegenzuwirken und stattdessen Fachkräfte und Investitionen anzuziehen.
Das hat auch die Politik erkannt: Mit dem Kulturplan Lausitz haben Akteure aus Brandenburg und Sachsen eine langfristige Strategie entwickelt, die Kunst und Kultur als integralen Bestandteil des Strukturwandels versteht.
Projekte wie die openart Lausitz Biennale 2026 machen auf kreative Weise sichtbar, was aus dieser Herausforderung entstehen kann. Was hier einst als Lost Place galt, wird zur Bühne – und gewinnt damit eine neue Bedeutung im kollektiven Gedächtnis der Region.
Ein Aufbruch, der Zeit braucht
Der Strukturwandel der Lausitz ist ein laufender Prozess. Er gelingt nur, wenn wirtschaftliche Entwicklung und kulturelle Teilhabe zusammen gedacht werden – wenn die Menschen, die hier leben, nicht nur Betroffene sind, sondern Gestalterinnen und Gestalter ihrer Region.
Die Lausitz hat dafür eine Grundlage, die andere Regionen im Wandel sich erst erarbeiten müssen: eine reiche Kulturlandschaft, eine eigene Geschichte und Menschen, die trotz allem geblieben sind.
Ein besonderer Faktor spielt hierbei ebenso die stark verwurzelte sorbische Kultur und Tradition – ein Alleinstellungsmerkmal der Lausitz. Die Sorben pflegen bis heute ihre Sprache, Bräuche und Traditionen, obwohl sie jahrhundertelangen Einflüssen der deutschen Mehrheitsbevölkerung ausgesetzt waren.
Diese Projekte aus dem Bereich Kultur und Zivilgesellschaft begleiten den Prozess aktuell in Brandenburg:
• Bürgerregion Lausitz, https://buergerregion-lausitz.de/
• Lausitziade, https://lausitziade.de/
• UNESCO 5 - Erbe der Lausitz, haps://lausitz-kultur.eu/de/netzwerk/unesco-5
• Zentrum für Dialog und Wandel, https://zdw.ekbo.de/
• INIK, Institut für Neue Industriekultur, https://www.inik.eu/
Die Projekte werden begleitet durch die Kampagne Krasse Lausitz der Wirtschaftsregion Lausitz, https://www.krasse-lausitz.de